Phong Nha Nationalpark, Vietnam.

Ich war mir lange unsicher, ob ich den Umweg über den Phong Nha Nationalpark überhaupt machen sollte. So kurz nach Tet könnte vieles geschlossen sein – zumal der Park zwischen Hue und Hanoi wirklich im nirgendwo liegt. 

Da ich aber ausschließlich gutes über die Natur dort gelesen habe, bin ich dann doch mit einer Tagestour von Hue durch die entmilitarisierte Zone in Richtung Nationalpark gefahren. Die Fahrt war mal wieder eine eher unerfreuliche Minivan Fahrt, da wir offensichtlich noch die halbe Familie des Fahrers an verschiedenen Orten eingesammelt und rausgelassen haben war das Auto etwas überfüllt. Ich saß quasi im Kofferraum auf und nebem dem Gepäck, die Beine angewinkelt und neben mir der schnarchende Tourguide. 

Der Nationalpark liegt zwischen Hue und Hanoi, plötzlich tauchen zwischen den Reisfeldern die großen Limestone Felsen auf, drumherum nur kleine Dörfer, kaum Hotels und nur unendliches Grün. Zu dieser Jahreszeit ist es leider normal, dass es dort etwas diesig ist, die Landschaft ist trotzdem einzigartig. 

Wir sind direkt zur Paradise Cave gefahren, einen der größten Höhlen in dem Park. Die Höhle wurde erst vor ca. 10 Jahren vollständig erkundet. 2005 hatte ein vietnamesischer Bauer zufällig die Höhle entdeckt, den Weg dorthin wieder vergessen, erst ein britisches Höhlenteam hat die Höhle dann vollständig erkundet. Die Paradise Cave ist ca. 30m lang, mit einer Höhe von bis 100m. Zu Fuß kann man aber nur den ersten Kilometer erkunden, danach müsste man auf ein Kajak umsteigen. Das Innere der Höhle besteht aus faszinierenden Stalagmiten und Stalagiten, die entsprechend schön ausgeleuchtet sind. Ich hab sowas noch nie gesehen und war ernsthaft sprachlos. Natur kann ziemlich atemberaubend sein. Meine letzte Höhlenbesichtigung dieser Art war allerdings auch in der vierten Klasse auf der Klassenfahrt nach Brilon.

Die Nacht habe ich in Dong Hoi verbracht. Eine Stadt über die, die Dame in der Travel Agency schon meinte: „but, there is nothing. You should not stay there longer than one night.“ Das Hostel hieß Buffalo und fühlte sich auch bisschen so an wie der letzte Saloon in der Wüste. Da wegen Tet, kaum Personal in dem Hostel war, haben zwei Mädels den Laden plus das Restaurant und die Bar in der einige betrunkene Vietnamesen saßen alleine geschmissen. Kurzerhand ist ein anderer Reisender in der Küche eingesprungen, hat geschnippelt und serviert.  

Alle die an diesem Abend in diesem Hostel im trostlosen Dong Hoi gelandet waren – waren irgendwie gestrandet. Es fühlte sich ein bisschen so an, als wäre es Weihnachten und man wäre nicht zuhause, sondern darauf angewiesen an dem Abend mit Fremden zu einer Familie zusammenwachsen zu müssen. Ich mochte das.

Für den nächsten Tag hatte ich eigentlich eine Tour zu der Phong Nha Cave und in die Dark Cave gebucht. In der Nacht hat sich aber herausgestellt, dass die Kombination wegen Tet nicht möglich – also hab ich im Halbschlaf entschieden, dass ich wohl nochmal die Paradise Cave anschaue und danach dann zur Dark Cave. 

Dieses Mal hatten wir auf dem Weg zur Paradise Cave viel mehr Möglichkeiten auch mal im Nationalpark auszusteigen und die Natur wirken zu lassen. Auf dem Weg dahin sind wir durch die einfachen Dörfer zwischen Reisfeldern, grasenden Kühen und simplen Shops gefahren. Die vietnamesischen Häuser Haben hier fast alle einen großen Raum wie eine Eingangshalle, die als Wohnzimmer genutzt wird. Die Räume sind meistens offen und so kann man den Familien beim Essen zuschauen. 

Die Paradise Cave war auch beim zweiten Mal atemberaubend schön. Aber das eigentliche Highlight war am Nachmittag die Dark Cave. Man „ziplined“ über den türkisfarbnen Fluss auf die andere Seite und schwimmt dann in die Höhle rein. Mit unseren Schwimmwesten, Helmen plus Stirnlampe sahen wir zwar eher aus wie Minions als Höhlenforscher aber gut. 

Wie der Name verrät ist die Höhle dunkel. Stockdunkel. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das tatsächlich ein mulmiges Gefühl geben würde. Wir sind durchs hüfthohe Wasser gewatet und natürlich brüllt irgendein Spaßvogel – „Wasserschlange“. Nachdem mir ein paar Jungs auf Koh Rong eine Horrorgeschichte inklusive Wasserschlange erzählt hatten, in der sogar der Guide Panik bekommen hat, war mir noch etwas mulmiger… Der letzte Teil der Wanderung beinhaltet dann, dass man ohne die Schwimmweste einen grade mal ausreichend breiten Spalt im Gänsemarsch durchläuft bzw. sich zwischen den Wänden durchquetscht um dann zu einer Grube voll Schlamm zu kommen. Allein der Weg darein war schon abenteuerlich und ohne ausrutschen kaum zu schaffen. Der Schlamm wurde schon auf dem Weg immer mehr und war dann so dicht und fest, dass man kaum die Füße heben konnte. Ich hab es immerhin in die Grube geschafft ohne der Länge nach im Schlamm zu landen. Der Schlamm ging uns dann bis zu Hüfte – klingt schrecklich? Laura, mit der ich mich schon gestern Abend im Hostel super verstanden hatte und auch alle anderen fanden es super lustig. 

Die Jungs kamen dann auf die grandiose Idee, dass wir alle für einen Moment unsere Lampen ausmachen. Eine großartige Atmosphäre – stockfinster, mucksmäuschenstill und wir mittendrin. Naja und dann – Boys will be Boys – flog der erste Matschklumpen. Wie die Kinder haben wir uns beworfen und eingeseift. Der Schlamm war leider zu dick um Aufnahmen mit der Gopro zu machen – aber das ist vielleicht auch besser so.

Mit etwas weniger wackeligen Beinen haben wir uns auf den Rückweg durch die Felsspalte gemacht und im Höhlenwasser versucht den Schlamm abzuwaschen… Den Weg aus der Höhle zurück an Land sind wir dann gekayakt und konnten dann noch ein paar Mal Ziplinen und von da aus in Wasser springen. 

Mit dem Minivan ging es dann zurück nach Dong Hoi – wieder vorbei an den kleinen Dörfern rund um den Nationalpark. Die Nacht hab ich dann im Sleeper Bus nach Hanoi verbracht, das letzte Mal in einem vietnamesischen Nachtbus! 

Februar 2015.

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