Hanoi II – Birthday Girl und Random Acts of Kindness.

Nach der Halong Bay Tour hatten wir noch den Donnerstag Nachmittag und den drauf folgenden Tag in Hanoi – mein Geburtstag!

Ich gebe es zu, ich bin ein totaler Geburtstags Terrorist. Ich bin diejenige, die morgens aufwacht und schreit „Its my birthday“. Zuhause erwarte ich einen fetten Geburtstagskuchen und Geschenke, gratuliert man mir nicht bin ich ewig beleidigt. Grundsätzlich bin ich kein nachtragender Mensch, aber vergisst jemand meinen Geburtstag, vergesse ich diesen Menschen – zumindest für diesen einen Tag.

Schuld an meinem etwas übersteigertem Geburtstagssinn ist wohl meine liebe Mama. Geburtstage waren schon immer der höchste Feiertag bei uns mit großen Themenfesten. Einmal hatten wir das Motto Geistergeburtstag, da wurde unser Keller in eine Geisterbahn verwandelt durch die alle meine Gäste durch mussten und Papa hat alle unter einem Bettlaken erschreckt. Zum Taka-Tuka Land Geburtstag wurde das Wohnzimmer in eine einsame Insel verwandelt. Je älter ich wurde, desto erwachsener natürlich die Feiern. Mit 18 wurde das Vereinsheim gemietet und Mama und Papa haben ein Feuerwerk organisiert. Und im Studium konnte ich dank verschiedener Freundeskreise zuhause und in meiner Studiumsstadt gleich mehrmals Geburtstag feiern.

Meinen Geburtstag nun also am anderen Ende der Welt zu feiern, ohne liebe und bekannte Gesichter, ohne Stevie Wonder, der mich wachsingt (obwohl ich natürlich schon vorher wach war, nur um zu schauen ob es einen Gabentisch gibt), hat mir ein wenig Bauchschmerzen bereitet – aber vielleicht sollte mir diese Schocktherapie auch mal ganz gut tun.

Die Rückfahrt aus der Halong Bay haben wir schlussendlich doch überlebt und meine Mitgliedschaft im Club 27 hab ich wieder abgeschrieben. Glücklicherweise hatten ich durch die Bootstour ein kleines Grüppchen mit dem ich reinfeiern konnte. Als Geburtstagsessen gab es mit Felix und Julian die erste Pizza auf diesem Trip und dann ein paar Drinks mit dem Rest der Partyboot Crew in meinem Hostel. Danach sind wir mit allen in einen Club/Bar gezogen. Ich hab mit total wohl mit allen gefühlt und zu keinem Zeitpunkt bereut jetzt nicht zuhause zu sein. Um 12 Uhr haben mich die Jungs stage-diving mäßig hochgehoben und ein Ständchen gesungen, ich hab einen pinken Ballon geschenkt bekommen und war glücklich. Da die Bar wegen der Sperrstunde geräumt wurde, sind wir weiter in eine noch schäbigere Bar gezogen, ich hab mich zur Feier des Tages zum Lachgas überreden lassen und um 5 Uhr morgens bin ich mit den Jungs zurück zum Hostel gestolpert.

Am nächsten Morgen hab ich mir in aller Ruhe die mitgegebene Karten von meiner Mama und einer lieben Freundin angeschaut. Auch wenn ich zu keinem Punkt traurig gewesen war, dass ich an meinem Ehrentag nicht zuhause war, tat es gut Nachrichten aus der Heimat zu lesen. Meine selbstgesetzte Tagesmission war dann: einen Geburtstagskuchen finden, eine Kerze draufstecken, auspusten und essen. Netterweise hat mich ein Amerikaner, mit dem ich beim Frühstück ins Gespräch gekommen war, bei der Mission unterstützt. Kuchen war einfach, direkt vorm Hostel gabs eine französische Bäckerei und die Schokotorte mit flüssigem Kern war fantastisch. Eine Kerze zu finden dagegen war nicht so einfach, Mahesh hat sich mächtig ins Zeug gelegt, aber wir haben nur eine Tempel- bzw. Grabkerze gefunden, egal. Auspusten und sich was wünschen kann man ja trotzdem!

Den Abend meines Geburtstages sollte ich mit Felix und Julian im Sleeper Bus nach Laos verbringen – aber das ist eine andere Geschichte. Beim warten auf den Bus bin ich mit Tim aus Kanada ins Gespräch gekommen, in einem Nebensatz erwähnte ich dass ich heute Geburtstag hatte. Kurz danach hat sich Tim verabschiedet und wir haben weiter gewartet und wurden kurz darauf abgeholt. Nichtsahnend hab ich meinen Rucksack geschultert und losmarschiert – und bin auf der Straße wieder in Tim reingestolpert, der ganz abgehetzt zurück gelaufen kam. Hinterm Rücken zauberte er ein Blume her, die er mir mit einem großen Grinsen überreicht hat. Er konnte gar nicht, glauben dass ich keine Geschenke zu meinem Geburtstag bekommen hatte und fühlte sich verpflichtet mir eine Kleinigkeit zu besorgen – mein Glaube an die Menschheit wurde mehr als bestärkt. Hab mich selten so über eine selbstlose Geste von jemandem den ich grad mal 10 Minuten kenne gefreut. Die Blume hat den Chaostrip nach Laos allerdings leider nicht überlebt.

Ich hatte keine Erwartungen an meinen Geburtstag, aber bin froh über diesen einmaligen Tag. Ich werde wohl nie wieder mein Älterwerden in Hanoi mit der Partyboat-Crew, Blumen von einem Fremden und Friedhofskerzen verbringen. Ein unvergesslicher Tag mit allem was ich mir gewünscht habe.

 Februar 2015.

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